Rede zum Lübecker Haushalt 2026 von Andreas Müller
Rede zur Haushaltsdebatte am 06.11.2025
Für gesellschaftlichen Zusammenhalt, soziale Teilhabe und
wirksamen Klimaschutz
Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und
Kollegen, liebe Lübeckerinnen und Lübecker,
heute stehen wir vor einer Entscheidung, die unsere Stadt und
das Leben vieler Menschen darin nachhaltig prägen wird.
Die heute zur Debatte stehenden Kürzungsvorschläge des
Bürgermeisters und die Anträge der Mehrheitsfraktionen von
CDU, Grünen und FDP sind nicht einfach Zahlen auf Papier.
Diese Zahlen betreffen Existenzen, sie betreffen die
Grundlagen unseres Lebens und den gesellschaftlichen
Zusammenhalt. Sie stellen die Weichen für die Zukunft, in der
wir leben wollen.
Ich spreche heute nicht nur als Sozialist, sondern als jemand, der fest daran glaubt, dass Solidarität das Fundament einer gerechten und lebenswerten Gesellschaft ist.
Und mit den Vorschlägen des Bürgermeisters und der
Mehrheitsfraktionen von CDU, Grünen und FDP steht genau
dieser gesellschaftliche Zusammenhalt auf dem Spiel.
Kürzungen in sozialen, kulturellen und ökologischen Bereichen
bedeuten mehr als leere Kassen. Sie führen dazu, dass immer
mehr Menschen abgehängt werden und das Miteinander in
unserer Gesellschaft Schaden nimmt.
Wir haben als Kommunalpolitik in den letzten Monaten viele Emails, Briefe
und Anrufe bekommen die sich gegen die pauschale 10%
Kürzungen ab dem 1.1.2027 ausgesprochen haben.
Ich bedanke mich bei allen Menschen, Vereinen und Verbänden
dafür, dass sie mehrfach, bis heute Nachmittag für 10% mehr
statt 10% weniger gekämpft haben. Ob dieser Kampf
erfolgreich sein wird, werden wir in wenigen Stunden sehen.
Um es mit Bertolt Brecht zu sagen: „Wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren.“
Meine Fraktion Linke und GAL und weitere Fraktionen in dieser
Bürgerschaft haben ihre Empörung gehört. Wir sind zwar
aktuell noch weit entfernt von 10% mehr – aber wenigstens
stehen aktuell nicht mehr die pauschalen 10% weniger zur
Debatte.
Ich bin froh und stolz Vorsitzender einer Partei (Die Linke) und
einer Fraktion (Linke und GAL) zu sein, deren Mitglieder bei
den Protesten mit dabei waren und weiter sind. Dankeschön,
dass ich das sein darf. Venceremos und ich verspreche „Der
Kampf geht weiter.“
Übrigens ist Die Linke nach den Haushaltsreden vom Bürgermeister, von der CDU und von den Grünen stärker als je zuvor, wird sind nämlich in dieser Zeit ein
Mitglied mehr geworden.
Gerade in Krisenzeiten wie diesen zeigt sich: Nur wenn wir
zusammenhalten, können wir Herausforderungen meistern.
Wenn aber wichtige Angebote für Kinder und Jugendliche,
Unterstützung für Familien, Pflege und Integration oder der
Zugang zu guter Bildung beschnitten werden, dann sägen wir
an dem Ast, auf dem wir alle sitzen.
Und Herr Kollege Fürter (FDP), es gibt in diesem Bereich keinen Speck, niemand in diesem Bereich lebt über seine Verhältnisse. Die Gesellschaft wird kalt und unbarmherzig, wenn wir zulassen, dass immer mehr Menschen auf sich allein gestellt sind. Einsparungen an der falschen Stelle spalten – sie
schaffen Unsicherheit, Angst und Misstrauen. Doch was wir
brauchen, ist das Gegenteil: Vertrauen, Teilhabe und das
Gefühl, gemeinsam etwas bewegen zu können.
Ursache dieses Haushaltes ist die Schuldenbremse die am
29.05.2009 im Bundestag beschlossen wurde.
Denk ich an die damalige Debatte im Deutschen Bundestag
zurück, es gab damals eine von vielen großen Koalitionen,
Angela Merkel (CDU) war Bundeskanzlerin und Peer Steinbrück (SPD) war Bundesfinanzminister, hat Bodo Ramelow in seiner legendären Rede ziemlich gut beschrieben, was in der Folge passieren würde, und heute wissen wir, dass
er mit jedem Satz Recht hatte.
Die vorgeschlagenen Kürzungen treffen eben nicht "das
System" oder "anonyme Strukturen" – sie treffen Menschen.
Sie treffen:
1. die Beschäftigten im Sozialwesen
2. Ehrenamtliche in Vereinen
3. Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, wie zum
Beispiel:
- Menschen ohne Obdach UND Menschen ohne
Krankenversicherung
- Menschen, die in der Beratungsstelle jetzt die Kosten für das
Mittagessen teilweise übernehmen sollen,
- Frauen und queere Personen, deren Beratungsstellen und
Unterstützungsangebote besonders betroffen sind, zum
Beispiel durch die Streichung von „BIKO“ (kostenlose
Verhütungsmittel).
Und diese Kürzungen treffen uns alle, da sie das Netz
schwächen, das uns und unsere Mitmenschen auffängt, wenn
wir*sie selbst einmal Hilfe brauchen.
Langfristig aber, das zeigt jede ernsthafte Studie, werden
Kürzungen an der sozialen und ökologischen Infrastruktur zu
höheren Kosten führen: für die Gesundheit, für den
gesellschaftlichen Zusammenhalt und am Ende auch für den
Wirtschaftsstandort. Wer hier spart, spart an der Zukunft. Und
ich ergänze noch, wer hier spart, der*die gefährdet die
Demokratie.
Wir als Linke und GAL beantragen heute den Erhalt des
sozialen Systems.
Zusätzlich beantragen wir heute eine Personalstelle in der
Verwaltung zur Umsetzung des Wohnraumschutzgesetzes
Schleswig-Holstein und gegen Mietwucher.
Darüber haben wir Vorschläge, die weitere Einsparungen im
Haushalt von 680.000€, durch Verschiebungen von 2
Personalstellen bei der Projektgruppe „Zivile Verteidigung und
Krisenmanagment“ einbringen.
Und ich sage hiermit auch zu, dass wir die demokratische Mehrheit
für die Weltkulturerbeabgabe sicherstellen.
Ich appelliere an Sie alle: Lassen Sie uns nicht auf Kosten der
Armen und Benachteiligten sparen. Lassen Sie uns nicht die
Grundlagen unseres Zusammenlebens und unserer Zukunft
aufs Spiel setzen. Wir brauchen kein Spardiktat, sondern
Investitionen in eine Gesellschaft, die zusammenhält und allen
eine Perspektive bietet.
Nutzen wir diese Krise als Möglichkeit, endlich umzusteuern:
Für mehr Teilhabe, für soziale Gerechtigkeit und für echten
Klimaschutz. Das ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern
eine Frage des politischen Willens und der Solidarität.
Lassen Sie uns nicht zulassen, dass kurzfristige Sparzwänge
den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Zukunft der
kommenden Generationen aufs Spiel setzen. Ich rufe Sie alle
auf: Zeigen wir Verantwortung, stehen wir zusammen,
investieren wir in das, was unsere Stadt stark und lebenswert
macht – in die Menschen, in die Solidarität und in den Schutz
unserer Lebensgrundlagen.
Für eine Gesellschaft, die niemanden zurücklässt und die mutig nach vorne schaut!
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und ich verspreche
„Der Kampf geht weiter.“
Dateien
- 2025-11-06_-_Haushaltsrede_fuer_die_Homepage.pdf
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