AG Queer
Wer sind wir?
Wir sind ein Zusammenschluss von Menschen innerhalb und im Umfeld der Partei DIE LINKE, die sich gemeinsam queerpolitisch engagieren. Unsere AG ist dabei kein exklusiver Kreis, sondern ein offener Raum für alle, die mit uns für eine gerechtere Gesellschaft eintreten wollen.
Gegründet haben wir uns im März 2025 und schon in den ersten Wochen nach unserer Gründung waren wir aktiv, sichtbar und engagiert. Ob bei der Organisation der IDAHOBIT-Kundgebung, beim Aufbau solidarischer Netzwerke, und alles was noch kommt. Wir sind schnell gewachsen und haben gezeigt, dass queere Politik in Lübeck einen festen Platz braucht und verdient.
Unsere Gruppe besteht überwiegend aus lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*, inter*, nicht-binären und weiteren queeren Personen. Genauso wichtig sind aber auch unsere solidarischen Mitstreiter:innen, die sich als Verbündete verstehen. Menschen, die selbst nicht queer sind, aber mit uns gegen Diskriminierung kämpfen und queere Lebensrealitäten sichtbar machen möchten.
Bei uns ist jede:r willkommen, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Alter, Religion, Bildung, Behinderung oder Parteimitgliedschaft. Du brauchst keine Vorkenntnisse, kein „richtiges Vokabular“ oder politische Erfahrung. Was zählt, ist deine Haltung: Offenheit, Neugier und der Wunsch, gemeinsam etwas zu verändern.
Wir glauben daran, dass politische Veränderung nur gelingt, wenn viele Menschen sich beteiligen können, auf Augenhöhe, solidarisch und mit gegenseitigem Respekt. Deshalb verstehen wir unsere Gruppe auch als einen Ort zum Ankommen, Lernen und Wachsen, sowohl politisch als auch persönlich.
Wofür stehen wir?
Als AG DIE LINKE queer Lübeck treten wir ein für eine Gesellschaft, in der alle Menschen frei, sicher und selbstbestimmt leben können, unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung, Körper, Herkunft oder sozialem Status. Unsere queerpolitische Arbeit ist fest verankert in einem linken, feministischen und solidarischen Selbstverständnis.
Wir stellen uns gegen Heteronormativität, also gegen die Vorstellung, dass es nur zwei Geschlechter gäbe und dass ausschließlich heterosexuelle Beziehungen „normal“ seien. Stattdessen setzen wir uns für eine Gesellschaft ein, die Vielfalt nicht nur toleriert, sondern aktiv schützt, fördert und sichtbar macht. Queere Lebensrealitäten gehören zur gesellschaftlichen Realität. Sie dürfen weder an den Rand gedrängt noch unsichtbar gemacht werden.
Ein zentraler Wert unserer Arbeit ist Selbstbestimmung. Wir glauben daran, dass Menschen selbst am besten wissen, wer sie sind und dass niemand das Recht hat, über Identität, Körper oder Lebensweise anderer zu urteilen. Deshalb unterstützen wir Kämpfe für die Anerkennung und Rechte von trans*, inter* und nicht-binären Menschen, genauso wie die Sichtbarkeit von Bi+, aromantischen und asexuellen Identitäten, queeren Eltern oder queeren Jugendlichen.
Unsere politische Haltung ist intersektional: Das bedeutet, wir denken verschiedene Formen von Diskriminierung zusammen. Denn viele Menschen erleben nicht nur Queerfeindlichkeit, sondern zum Beispiel auch Rassismus, Sexismus, Behindertenfeindlichkeit oder Klassismus, oft gleichzeitig. Wir glauben: Echte Gerechtigkeit gibt es nur, wenn wir auch die Überschneidungen von Unterdrückung erkennen und bekämpfen.
Deshalb sagen wir: Queere Politik darf nicht nur für weiße, akademisch gebildete, cisgeschlechtliche Menschen gemacht werden. Queerpolitik muss antirassistisch, barrierearm, sozial gerecht und feministisch sein, sonst ist sie nicht solidarisch.
Unser Ziel ist eine Welt ohne Angst und mit Platz für alle Lebensrealitäten. Eine Welt, in der niemand sich verstecken muss. Eine Welt, in der Unterschiedlichkeit nicht als Störung gilt, sondern als Stärke.
Was tun wir?
Unsere Arbeit ist vielfältig, lebendig und sichtbar. Wir organisieren Veranstaltungen, schaffen Bildungsangebote, gehen auf die Straße, knüpfen Netzwerke und setzen queere Themen dort auf die Tagesordnung, wo sie sonst oft übersehen werden.
Im Mai 2025 haben wir zum Beispiel anlässlich des IDAHOBIT*, dem internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit, eine Kundgebung organisiert. Mit Redebeiträgen, Musik, Transparenten und klarer Haltung haben wir gemeinsam mit anderen Gruppen ein starkes Zeichen gegen queerfeindliche Gewalt und für queere Sichtbarkeit gesetzt. Für uns war das nicht nur ein Aktionstag, sondern ein Moment echter Begegnung und Ermutigung.
Uns ist wichtig: Queerpolitik darf kein akademisches Spezialwissen sein, das nur wenige verstehen. Deshalb arbeiten wir bewusst mit einer Sprache, die nicht ausschließt, und Formaten, die auch für Menschen offen sind, die sich bisher noch nicht politisch engagiert haben.
Auch Netzwerkarbeit gehört zu unserem Alltag. Wir vernetzen uns mit anderen queeren Gruppen, Jugendinitiativen, feministischen Organisationen, migrantischen Selbstorganisationen, FLINTA*-Projekten und Bündnissen gegen rechts. Denn wir wissen: Wir sind nicht allein und wir können viel mehr bewegen, wenn wir zusammenarbeiten. Dabei ist unser Anspruch nicht nur Widerstand, sondern auch Gestaltung. Wir bringen queere Perspektiven in die Kommunalpolitik ein, treten für queere Infrastruktur vor Ort ein (z. B. Beratungsangebote oder Schutzräume) und fordern mehr Raum für queere Kultur, Begegnung und Selbstorganisation.
Unser Aktivismus ist mal laut, mal leise. Mal sichtbar auf Demos, mal konzentriert in Arbeitsgruppen. Aber immer verbunden mit der Idee, dass queeres Leben politisch ist und dass jede Handlung zählt, die gegen Ausgrenzung steht und für Teilhabe kämpft.
Unser politischer Anspruch
Für uns ist klar: Queerpolitik ist keine Nebensache. Sie ist kein Zusatz, kein „Nice to have“, sondern ein zentraler Bestandteil linker Politik. Denn wer für soziale Gerechtigkeit eintritt, muss auch für die Rechte und das Wohl queerer Menschen kämpfen. Wer Ausbeutung, Ungleichheit und Diskriminierung überwinden will, kann nicht schweigen, wenn queere Menschen angegriffen, entrechtet oder ausgeschlossen werden.Queeres Leben bedeutet für viele: sich jeden Tag in einer Gesellschaft zu behaupten, die bestimmte Körper, Begehren oder Identitäten unsichtbar macht oder abwertet. Sich sichtbar zu machen als trans* Frau im Gesundheitsamt, als nicht-binäre Person in der Schule, als queerer Teenager in einem ländlichen Dorf ist ein politischer Akt. Und er braucht Schutz, Unterstützung und Anerkennung.
Deshalb sagen wir: Wer von Bildungsgerechtigkeit spricht, muss auch queere Inhalte in Schulbüchern, Lehrplänen und Klassenzimmern einfordern.
Wer für ein gerechtes Gesundheitssystem kämpft, darf nicht übersehen, dass trans*, inter* und nicht-binäre Menschen häufig unterversorgt oder entwürdigend behandelt werden.
Wer für bezahlbaren Wohnraum streitet, muss wissen, dass queere Jugendliche überdurchschnittlich oft von Wohnungslosigkeit betroffen sind, weil sie aus ihren Familien verstoßen wurden oder in regulären Unterkünften diskriminiert werden.
Kurz gesagt: Queere Perspektiven gehören in alle politischen Felder. In die Bildungs-, Sozial-, Kultur- und Wohnungspolitik genauso wie in Arbeitsrecht, Gesundheit und Sicherheit. Wer linke Politik ernst nimmt, kann queere Belange nicht ausklammern. Gleichzeitig ist queere Politik für uns mehr als nur Repräsentation oder Symbolik. Es geht nicht nur darum, dass „mal jemand Queeres“ im Parlament sitzt oder Regenbogenflaggen gehisst werden. Es geht um echte, strukturelle Veränderungen: um Gesetze, Ressourcen, Schutzmechanismen und gesellschaftliche Machtverhältnisse.
Wir wollen eine Gesellschaft, in der alle frei von Angst leben können, ohne sich verstecken zu müssen, ohne sich erklären zu müssen, und dafür braucht es eine Politik, die nicht nur verwaltet, sondern verändert. Die nicht nur reagiert, sondern gestaltet. Die nicht an den Symptomen arbeitet, sondern an den Ursachen von Ungleichheit und Gewalt.
Queerpolitik ist für uns deshalb kein Einzelthema. Sie ist Teil einer größeren Bewegung: Für Gerechtigkeit, für Vielfalt, für eine solidarische Zukunft für alle.
Gemeinsam stark
Die AG Die Linke queer Lübeck ist mehr als ein politisches Projekt. Sie ist auch ein sozialer Raum, ein Ort der Begegnung, der Ermutigung und des gegenseitigen Empowerments. Denn politische Arbeit beginnt nicht nur mit Forderungen an die Gesellschaft, sondern auch mit dem Miteinander der Menschen, die sie tragen. Wir wollen einen Raum schaffen, in dem sich queere Menschen willkommen, sicher und gesehen fühlen, ganz gleich, wie sie sich definieren, ausdrücken oder verorten. Einen Raum, in dem niemand sich verstellen, verteidigen oder rechtfertigen muss. Wo Fragen erlaubt sind, Fehler Lernmomente sein dürfen und Unterschiedlichkeit als Stärke zählt.
Wir wissen: Viele queere Menschen erleben im Alltag Einsamkeit, Ausgrenzung oder Gewalt. Manche haben negative Erfahrungen mit anderen politischen Gruppen gemacht. Andere fühlen sich von akademischer Sprache, Debattenkultur oder Aktivismus abgeschreckt. Deshalb legen wir besonderen Wert darauf, barrierearm, greifbar und solidarisch zu sein. Nicht nur in Worten, sondern auch in der Praxis. Unser Anspruch ist es, ein Safer Space zu sein. Ein möglichst diskriminierungsfreier Ort, an dem Menschen sich kennenlernen, weiterentwickeln und einbringen können. Das bedeutet auch, dass wir achtsam mit Sprache umgehen, Rücksicht aufeinander nehmen und Machtverhältnisse reflektieren, auch innerhalb unserer eigenen Strukturen.
Gleichzeitig verstehen wir uns nicht als geschlossene Gruppe. Wir sind offen für alle, die mit uns für eine gerechte Gesellschaft kämpfen wollen, ob queer oder nicht. Auch Menschen, die sich als cis, hetero oder „unsicher“ bezeichnen, sind bei uns willkommen, wenn sie mit offenem Herzen, Respekt und Lernbereitschaft kommen.
Gemeinsam wollen wir Erfahrungen teilen, Wissen weitergeben und einander stärken. Denn politische Arbeit ist auch emotionale Arbeit. Sie braucht Austausch, Unterstützung und manchmal einfach jemanden, der zuhört. In unseren Treffen wird gelacht, diskutiert, gestritten und solidarisch gestrickt. Wir feiern Erfolge und lernen aus Fehlern. Manche kommen regelmäßig, andere nur ab und zu. Manche möchten mitreden, andere erstmal zuhören. Alles hat Platz. Alles ist willkommen. Denn: Eine starke Bewegung wächst nicht durch Perfektion – sondern durch Offenheit, Vielfalt und das Vertrauen, dass wir gemeinsam mehr sind als die Summe unserer Teile.
Warum unsere Mitglieder dabei sind:
Julia: Ich engagiere mich in der AG queer, weil ich mir eine Welt wünsche, in der alle Menschen frei, sicher und sichtbar leben können – unabhängig davon, wen sie lieben oder welches Geschlecht sie haben. In den letzten Jahren nehme ich mit großer Sorge wahr, wie die Gewalt gegen queere Menschen zunimmt. Das macht mir Angst – nicht nur um die queere Community allgemein, sondern ganz konkret auch um meine Kinder und meine Lieblingsmenschen, die selbst queer sind. Ich möchte nicht tatenlos dabei zusehen, wie Hass lauter wird. Deshalb bin ich hier, um dem gesellschaftlichen Rechtsruck aktiv entgegenzutreten und mich für Solidarität stark zu machen. Denn queere Menschen sind keine Randgruppe, sie sind mitten unter uns – unsere Nachbar:innen, Freund:innen, Kolleg:innen, Familienmitglieder. Sie sind Teil unserer Gesellschaft, ganz selbstverständlich. Mir geht es darum, das Leben queerer Menschen sichtbar zu machen – auch für diejenigen, die bisher keine bewussten Berührungspunkte damit hatten. Und ich will dazu beitragen, dass queere Stimmen gehört werden, dass ihre Rechte verteidigt und ihre Lebensrealitäten ernst genommen werden.
Für mich ist das Engagement in dieser AG ein Ausdruck von Liebe, Verantwortung und dem Wunsch nach einer gerechteren Zukunft – für meine Familie, meine Freund:innen und für alle, die einfach nur in Ruhe existieren möchten.
Alicia: Ich bin in der AG queer aktiv, weil ich aus erster und zweiter Hand erfahren habe, dass Queerfeindlichkeit keine abstrakte Theorie ist, sondern leider immer noch Realität. Ob auf der Straße, in der Schule, im Arbeitsleben oder in der Familie. Queere Menschen werden noch immer beleidigt, ausgegrenzt, bedroht oder zum Schweigen gebracht. Diese Erfahrungen prägen und sie zeigen, wie dringend es Veränderung braucht.
Für mich ist klar: Sichtbarkeit schützt. Wenn wir uns zeigen, wenn wir laut sind, wenn wir den Raum einnehmen, der uns zusteht, dann wird deutlich: Wir sind viele, wir sind Teil dieser Gesellschaft und wir lassen uns nicht an den Rand drängen. Ich finde, wahre Liebe ist etwas unfassbar Schönes. Sie kennt keine Norm, kein richtig oder falsch, keine Schubladen. Sie ist ein Gefühl von Sicherheit, Vertrauen und gegenseitigem Respekt ganz gleich, welche Geschlechter involviert sind. Dass Menschen dafür noch immer verspottet, herabgewürdigt oder gar kriminalisiert werden, ist nicht nur traurig, sondern zutiefst ungerecht. Identität ist kein Meinungsstreit. Sie ist real. Sie ist Teil dessen, wer wir sind. Tief im Inneren und zugleich nach außen gelebt. Jeder Mensch hat das Recht, gesehen, gehört und respektiert zu werden. Identität zu ignorieren, zu leugnen oder gar zu beschimpfen, bedeutet, einem Menschen seine Würde abzusprechen. Dagegen stelle ich mich mit Haltung, mit Solidarität und mit anderen an meiner Seite.
Deshalb engagiere ich mich in dieser AG: Weil ich daran glaube, dass Politik nicht nur in Parlamenten passiert, sondern auch in Gesprächen, auf Demos, im Alltag. Weil ich anderen Mut machen möchte, sich zu zeigen und mich gleichzeitig selbst gestärkt fühle durch die Gemeinschaft. Und weil ich mir eine Zukunft wünsche, in der niemand sich verstecken oder verstellen muss, nur um sicher zu leben.
Mach mit!
Du musst kein Profi sein. Kein Politikexperte, kein/e queere/r Aktivist:in. Es reicht, wenn du neugierig bist. Wenn du Lust hast, dich mit anderen zu verbinden. Wenn du Ungerechtigkeit nicht einfach hinnehmen willst, sondern etwas bewegen möchtest.
Bei uns kannst du auf viele Arten aktiv werden. Du kannst mitdiskutieren, Ideen einbringen, bei Veranstaltungen mithelfen oder Texte schreiben. Du kannst bei Demos dabei sein, Plakate gestalten, Social Media betreuen oder einfach bei einem Tee zuhören. Alles ist freiwillig – alles ist willkommen. Du musst kein Mitglied der Partei Die Linke sein, um mitzumachen. Unsere Gruppe ist offen für alle, die sich für queere Gerechtigkeit einsetzen wollen, ganz gleich, ob du dich selbst als queer verstehst oder als solidarische/r Verbündete/r.
Wir freuen uns über Menschen:
- die ganz neu dazukommen,
- die einfach mal reinschnuppern möchten,
- die nicht wissen, wo sie anfangen sollen,
- die vielleicht unsicher sind, aber neugierig,
- die sich engagieren wollen, auf ihre eigene Art.
Wir treffen uns jeden ersten Montag im Monat. Wenn du Interesse hast, schreib uns eine Nachricht, folge uns auf Social Media oder komm einfach mal vorbei. Wir nehmen uns Zeit, dich kennenzulernen und alle Fragen zu klären. Wir freuen uns auf dich :)
