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8. Januar 2018

LEBEN – WIRTSCHAFT - TOURISMUS

Lübecks Alltag ist bestimmt vom Tourismus. Mittlerweile stellen die Gäste, die unsere Stadt empfängt einen der größten wirtschaftlichen Faktoren dar. Zunehmend jedoch gerät das Verhältnis zwischen Investitionen in touristische Infrastruktur und Investitionen in jene Infrastruktur, welche die Lübecker*innen zur Gestaltung ihres Lebens benötigen, ins Ungleichgewicht.  Teilhabe, Kultur Mobilität und Wohnen, kurzum alle Bereiche des Lübecker Lebens können und dürfen sich nicht nur nach den wirtschaftlichen Interessen der Tourismusbranche richten. Gerade auf der Lübecker Altstadtinsel wird dieser Konflikt deutlich. Einzelhandel und Veranstaltungen orientieren sich zunehmend am möglichen Profit durch Touristinnen und Touristen und nicht mehr an den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner. DIE LINKE. Lübeck wird die Tourismusbranche stärker in die Pflicht nehmen und dafür sorgen, dass mehr Geld aus den erzielten Einnahmen zurück in die Infrastruktur der Stadt fließt. Alle kulturellen Einrichtungen der Stadt, seien es Museen, Theater oder der Strand müssen für alle Menschen gleichermaßen erlebbar sein, unabhängig von ihrem Einkommen und Profitinteressen. Zudem muss das Verhältnis zwischen Wohnraum für die Einwohner*innen und Wohnungen, die zur touristischen Nutzung bestimmt sind, wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Gerade das bauliche historische Erbe der Stadt muss in der Hand und Selbstbestimmung der Lübecker*innen verbleiben.

 

Wir werden in der Bürgerschaft beantragen:

·       die Wiedereinführung der Bettensteuer als Kulturabgabe

·       den kostenlosen Zugang zu allen Strandbereichen der Hansestadt Lübeck

·       ein Tourismus-Konzept, welches die Balance zwischen Alltagsleben und Tourismus in Lübeck stärkt

·       die Aufstellung verbindlicher Leitlinien für die touristische Nutzung von Wohnraum, insbesondere eine Unterbindung der Umwandlung von historischen Ganghäusern in Ferienwohnungen

·       statt der verkaufsoffenen Sonntage werden kulturoffene Sonntage geschaffen, welche die Schwerpunkte auf die kulturelle Erlebbarkeit aller Stadtteile, jenseits des Konsums und unabhängig vom Geldbeutel bieten

 

5.1. Leben in der Altstadt

Das Leben in der Lübecker Altstadt teilen sich Einzelhandel, Tourismus und Bewohner*innen. Eine Mischung, die es so in nur wenigen Städten gibt und die Altstadt lebenswert, liebenswert und überaus attraktiv macht. Zunehmend gerät dieses Verhältnis jedoch ins Wanken. Durch Ferienwohnungen in den Gängen und neue Luxusbauprojekte wird die finanzschwächere Bevölkerung vertrieben. Die fast verfünffachte Straßenreinigungsgebühr in der Altstadt treibt die Mietkosten zusätzlich in die Höhe. Der kleine Einzelhandel leidet an den gestiegenen Gebühren und Verordnungen. Weiterer Leer13stand droht und wird sich auch auf den Tourismus auswirken. Die Altstadt braucht ein Konzept, das zum Einen die Interessen zwischen Bewohner*innen, Einzelhandel und Tourismus berücksichtigt, ohne die gemeinsamen Interessen zu beschädigen, und zum Anderen die Altstadt wieder belebt. Es darf nicht danach gefragt werden, wie die Parkplätze in der Innenstadt vermehrt werden können, sondern wie die Altstadt dergestalt belebt werden kann, dass sie schon bei den Parkplätzen beginnend interessanter und erlebbarer wird. Kurzum: die Altstadt zu den Parkplätzen bringen. Nur so kann eine Verkehrsberuhigung in der Altstadt gelingen.

 

Wir werden in der Bürgerschaft beantragen:

·       ein Konzept, um der Gentrifizierung und der Bildung eines Reichen- und Touristen-Ghettos auf der Altstadtinsel entgegenzuwirken

·       die Abschaffung verkaufsoffener Sonntage zur Stärkung des Erlebens des historischen Stadtkerns und als Ruhephase für die Inselbewohner

·       die Stärkung und breitere Ansiedlung unterschiedlicher Einzelhändler im Bereich der Altstadt

·       die Beruhigung des Altstadt-Gebietes vom fließenden Individual-Verkehr durch die Stärkung des Stadtverkehrs und des Radverkehrs

 

5.2. Leben in Travemünde

Travemünde ist der Lübecker Stadtteil, in dem die sozialen Spaltungen unserer Stadt am deutlichsten Zutage treten. Nur durch Tunnel oder teuren Zugverkehr erreichbar, sind Menschen mit geringen Einkommen von der Teilhabe am Leben Travemündes, insbesondere des Erlebens von Strand, Meer und Kulturangeboten ausgeschlossen. Eine Überalterung der Bevölkerung, teure Luxusbebauung und unerschwingliche Eintrittspreise bei kulturellen Veranstaltungen machen eine ausgewogene Sozialstruktur des Stadtteils unmöglich: DIE LINKE macht sich dafür stark, dass gerade Meer, Strand und Travemünder Kultur für alle Lübecker*innen erlebbar werden. Einer weiteren Gentrifizierung des Stadtteils wollen wir durch sozialen Wohnungsbau, einen kostengünstigen Nahverkehr und Vergünstigungen bei kulturellen Veranstaltungen für Familien und Menschen mit geringen Einkommen entgegenwirken. Wir fordern ein Travemünde für alle!

 

Wir werden in der Bürgerschaft beantragen:

·       kostenloser Zugang zu allen Strandbereichen in Travemünde

·       ein ausgewogenes Konzept zur Verhinderung ausufernder Luxusbebauung und ausreichender Vorhaltung günstigen Wohnraums

·       kostenlos enthaltene Nutzung des Travemünder Fährbetriebes bei Erwerb eines Fahrscheins des Lübecker Stadtverkehrs

·       ein Konzept zur Realisierung einer stärker ausgewogenen Sozialstruktur der Bevölkerung in Travemünde