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13. April 2017

Rede von Katjana Zunft, Friedenskundgebung – Gründonnerstag zu Pinkdonnerstag

Laboe, 13.04.2017; Friedenskundgebung – Gründonnerstag zu Pinkdonnerstag

Rede von Katjana Zunft,

Vorsitzende der LINKEN Lübeck, Kandidatin zur Landtagswahl, Initiatorin des Lübecker Women´s Marsches.

Rede -Es gilt das gesprochene Wort-

Ich habe zu dieser Kundgebung aufgerufen und freue mich, dass Ihr gekommen seid.

Viele haben sich in den letzten Tagen gefragt, wie wir das U-Boot pink bekommen wollen. Das U-Boot ist bereits pink. So zumindest habe ich es in den Zeitungen Norddeutschland gesehen.

Natürlich haben wir NICHT vor, das U-Boot vor Ort pink zu streichen, das hatten wir auch nie, hätten wir es gewollt, dann hätten wir es nicht drei Tage vorher angekündigt. 

Was wir wollen, ist Aufmerksamkeit für das Thema Frieden und für die täglichen Toten auf dem Meer. Dazu braucht es manchmal ungewöhnliche Mittel.

Wir haben Laboe ausgewählt, weil hier anschaulich gezeigt wird, wie Kriegsgerät aussieht und dass man ein U-Boot eben nicht mit Pinsel und Farbe bekämpfen kann.

Berührt hat uns die Inschrift der Tafel im Marine-Ehrenmal, auf der steht:

 „Gedenkstätte für die auf See Gebliebenen aller Nationen

Mahnmal für eine friedliche Seefahrt auf freien Meeren.“

Diese Inschrift haben wir zum Anlass genommen, uns heute hier zu versammeln, da wir auch an die vielen toten Menschen erinnern wollen, die auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung auf dem Meer ums Leben kamen.

Allein im Mittelmeer sind in den Jahren 2014-2016 über 10.000 Menschen bei einem Fluchtversuch ertrunken.

Wo wenn nicht hier, können wir dieser Toten gedenken und Frieden fordern.

Letzte Woche hat Trump und die USA SYMBOLISCH Syrien bombardiert! Symbolisch! Und unsere Bundesregierung hat das gutgeheißen.

Symbolische Bomben töten wirklich.

Und es kann nicht sein, dass irgendwelche Bomben auf Menschen gutgeheißen werden, egal von wem.

Es gibt keine guten oder schlechten Bomben. Es gibt nur Bomben, Bomben, die grausam töten, Zivilisten genauso wie Soldaten.

Wir als LINKE sind die einzige Partei, die konsequent Frieden fordert und auf nichtmilitärische Lösungen setzt. Wir fordern eine wirkliche Friedenskonferenz mit allen Beteiligten, vor allem mit den betroffenen Ländern selbst, es muss eine Stabilisierung der Länder im Nahen Osten favorisiert werden und nicht eine weitere Destabilisierung.

Der wirkliche Wille nach Frieden und nicht nach nationalen Interessen muss federführend sein bei den Friedensgesprächen.

Und bis dahin ist Humanitäre Hilfe, Schutz für Flüchtlinge und offene Grenzen das oberste Gebot.

Kein Mensch setzt sich freiwillig in ein Schlauchboot um die Seegrenze nach Europa zu überwinden, wenn er nicht vor etwas noch Schrecklicheren flieht als dem Tod durch Ertrinken.

Vor allem Frauen und Kinder sind die Opfer des Krieges und der Flucht.  Seit 6 Jahren herrscht Krieg in Syrien und so manches Kind hat noch nie Frieden in seinem Leben erlebt.

Wir müssen diesen Kindern wieder ein zu Hause geben, wir müssen dafür sorgen, dass sie sicher einschlafen und sicher aufwachen können. Wir müssen ihnen zu essen und ein Obdach geben. Wir müssen mit dafür sorgen, dass ihre Heimat wieder ein sicherer Ort ist.

Und nicht nur in Syrien, auch Afghanistan, Jemen, Irak und überall anders.

Statt unendliche Gewinne in der Rüstungsindustrie zu verbuchen, sollten wir endlich helfen einen Friedensprozess in der Welt voran zu bringen.

Um daran zu erinnern, dafür stehen wir hier, gegen das Vergessen!

Und so möchte ich Euch nun Auffordern eine Schweigeminute für die Opfer der Kriege und den Tod der Geflüchteten einzulegen.


-Schweigeminute-

 

Erschrocken sind wir über die heftigen Reaktionen, die nicht aus Sorge um die Sachbeschädigung eines U-Bootes heraus geschahen, sondern offensichtlich fremdenfeindlich und frauenverachtend waren.

Es zeigt uns, dass wir genau das Richtige getan haben, und hier als Frauen und Männer zu stehen um gegen den Krieg und für friedliche und freie Meere zu demonstrieren. Wir wollen den Toten aller Nationen gedenken und an die Kriege in aller Welt erinnern, denen jeden Tag tausende von Frauen und Kindern zum Opfer fallen. Denn man muss vor allem den Toten der Gegenwart gedenken, um die Toten der Zukunft zu verhindern.

Wir sind erschrocken, dass ein pinkes U-Boot scheinbar mehr Aufsehen erregt, als das, was so ein U-Boot ist, eine Kriegswaffe, die zum Töten gebaut wurde.