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8. März 2019

Trans*mann zu Gast bei den LINKEN

Am Donnerstagabend lud die Bürgerschaftsfraktion DIE LINKE zur Veranstaltung im Rathaus zum Thema Gleichstellung und Transsexualität. Zu Gast waren Christian Till, vom CSD-Verein, Hartmut Evermann von der Lübecker Aidshilfe, sowie Joschua Thuir, Bundespolizist und Transsexuell.

Sehr lebendig und eindrücklich schilderte er sein Leben und seinen beruflichen Alltag bei der Bundespolizei zunächst aus Sicht einer Frau, die dann die Transformation zu einem Mann machte. Er schilderte wie er auf Ablehnung stieß, aber auch viel Unterstützung von seinen Vorgesetzten bekam und brach damit auch eine Lanze für die Bundespolizei, die sich anfangs unerfahren aber aufgeschlossen zeigte, dies wünscht er sich in viel mehr Bundesbehörden bis hin zur kommunalen Verwaltung, Aufgeschlossenheit und Sichtbarkeit der Akzeptanz gegenüber Menschen aller Geschlechter.

Im Anschluss diskutierten Joschua Thuir, Christian Till vom Lübecker CSD und Hartmut Evermann von der Lübecker Aidshilfe mit dem Publikum, welche Veränderungen und welche politischen Maßnahmen in Lübeck nötig wären, um den Bedarfen von Trans* und Inter*menschen gerecht zu werden.

Das fängt bei der Anrede auf Formularen an und hört bei einer Beratungsstelle auf. "In Lübeck gibt es nur eine Beratungsstelle für Jungerwachsene bis 27 Jahren" erklärt Christian Till, ältere Menschen müssen wir zur Beratung nach Hamburg schicken. Auch die Toilettenfrage wurde diskutiert. "In jedem Zug, in jedem Flugzeug, sind Unisex-Toiletten kein Problem, im Rathaus muss ich mich entscheiden, ob ich ein Mann oder eine Frau bin" erklärt Joschua Thuir. "Solange ich keine Namensänderung im Pass habe bin ich gesetzlich eine Frau, auch wenn ich durch die Hormonbehandlung schon längst ein männliches Aussehen habe. Das bringt oft Probleme mit sich. Ich bin jahrelang illegal auf das Männerklo gegangen" schmunzelt Thuir.

Die Moderatorin Katjana Zunft, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der LINKEN, fragte Joschua, im Sinne der Gleichstellung, ob er als Mann anders behandelt werde, als zuvor als Frau. "Ich werde definitiv, besser behandelt, man hört mir besser zu, man traut mir automatisch bessere Fachkenntnisse zu und ich muss nicht mehr so lange reden, bis man meinen Anweisungen folgt. Ein Mann hat es ganz klar leichter sich Respekt zu verschaffen."

Eine Aussage, die in Anbetracht der Gleichstellungsdebatte in Lübeck nachdenklich stimmt. So war auch der Appell von Joschua Thuri, "Es ist nicht wichtig, wer in welchem Körper steckt, es ist nicht wichtig, welchem Geschlecht man zugehört, wichtig ist, das man immer und überall als Mensch die gleichen Rechte und die gleiche Behandlung erfährt".

 

Eine gelungene und hochinteressante Veranstaltung im Rathaus, bei der fast kein Platz unbesetzt blieb.