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15. Januar 2018

DIE LINKE erstattet Anzeige gegen Stöcker

Nach Bekanntwerden einer Weihnachtsansprache des Lübecker Unternehmers Winfrid Stöcker, in dem sich dieser  sexistisch und rassitisch äusserte, formiert sich breiter gesellschaftlicher Widerstand in Lübeck und über die Stadtgrenzen hinaus. Am vergangenen Samstag hatten sich rund 200 Männer und Frauen spontan zu einer Kundgebung am Lübecker Schrangen zusammen gefunden, um ihrem Unmut Luft zu verschaffen und ein deutliches Zeichen gegen Rassismus und Sexismus zu setzen. 

Das Lübecker Womens March Bündnis hatte zu der Aktion aufgerufen und deutlich gemacht, dass Stöckers Äusserungen nicht unwidersprochen bleiben dürfen. Der große öffentliche Zuspruch zur Protestkundgebung, nach nur kurzer Ankündigung zeigt, das die Lübecker*innen diesem Gedankengut des Herrn Stöcker ebenfalls entwas entgegensetzten wollen.

DIE LINKE. Lübeck hat sich deshalb entschlossen Anzeige zu erstatten, da sie in der Ansprache von Stöcker eindeutig einen Aufruf zu Straftaten erfüllt sieht. 

"Nicht genug, dass Herr Stöcker in seiner Rede sexuelle Übergriffe verharmlost und die Opfer verhöhnt,  er fordert seine männlichen Mitarbeiter darüber hinaus nahezu auf, "ran zu gehen" und sich die Frau, die sie wollen, einfach zu nehmen",  erklärt Katjana Zunft, Vorsitzende der Lübecker Linken und Mitglied im Womens March Bündnis. "Herr Stöcker fordert damit nicht nur zu einer Straftat auf, sondern stiftet zu sexeuller Nötigung, sexueller Belästigung wenn nicht sogar Vergewaltigung an. Auch wenn ich denke, das ein Großteil der Mitarbeiter von Euroimmun nicht so denkt wie ihr Chef, fordert er damit ein Klima, in dem weibliche Mitarbeiterinnen künftig um ihre Unversehrtheit fürchten müssen und keine Untertsützung durch die Firmenleitung erwarten dürfen", so Katjana Zunft weiter.

DIE LINKE ruft alle Bürgerinnen und Bürger auf,  sich ihr anzuschließen und mit Anzeigen gegen Herrn Stöcker gesellschaftliche Gegenwehr deutlich zu machen.

 

"Ich wehre mich dagegen, von Herrn Stöcker in ein Männerbild gepresst zu werden, das sowohl gegen das Grundgesetz, als auch gegen das Strafrecht verstößt", erklärt Ragnar Lüttke, Bürgerschaftsabgeordneter der Lübecker Linken. "Männer sind keine triebgesteuerten Wesen, sondern die meisten können sehr wohl zwischen Liebe und Nötigung unterscheiden und respektieren Frauen. Die Ansichten Herrn Stöckers verletzten deshalb auch mich",  so Ragnar Lüttke weiter.

 

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Text der Strafanzeige

hiermit erstatte ich Strafanzeige gegen Winfried Stöcker  wegen des Verdachts des § 111 Öffentliche Aufforderung zu Straftaten und § 30 Versuch der Beteiligung.

Dem liegt folgender Sachverhalt zugrunde:

In seiner Weihnachtsansprache am 21.12.2017 hat Winfried Stöcker der Firma Euroimmun seine 2400 Mitarbeiter aufgefordert, die Straftat der sexuellen Nötigung zu begehen.

Quelle: http://www.winfried-stoecker.de/blog/weih2017 und Lübecker Nachrichten, vom 12.01.2017

Diese solle in seiner Firma ohne Konsequenten bleiben.

Zitat: „da braucht man keinen Vormund und keine besonderen innerbetrieblichen Vorschriften.“

Entgegen der sogenannten #Metoo Kampagne, die sich gegen sexuelle Belästigung und Nötigung wendet,  sieht Stöcker in der sexuellen Nötigung ein „natürliches“ Liebeswerben.

Zitat: „Es ist doch das Natürlichste der Welt, dass man eine Frau zu sich nimmt, die man liebt (…)“ und „Sie fallen neiderfüllt in das Gezeter ein, ein Kesseltreiben folgt auf das nächste, und die Hashtag-Me-Too-Kampagne kommt ihnen wie gerufen.“

Als gerechtfertigte Begründung, sei nicht die Einwilligung der Beworbene, sondern die Liebesgefühle des Werbenden. Ein Einverständnis sei nicht notwendig. Er fordert in seiner Rede die Beschäftigen auf, sich in dieser Weise „ranzumachen“, spricht durch sexuelle Nötigung eine Partnerin zu finden, um dann Nachwuchs zu zeugen.

Zitat: „Und jetzt ein Aufruf an Euch Kollegen, die noch auf der Suche sind: Wir haben so viele nette Jungs und Mädchen in der Firma, geht ran, egal ob Ihr Vorgesetzte seid oder nicht, es kommt nur darauf an, dass Ihr das Mädchen oder den Jungen liebt.“

Als Vorbild nennt er einen Kollegen, bei dem dieses Liebeswerben in zwei Fällen auch zum Erfolg geführt hätte, also zu einer mutmaßlichen Partnerschaft mit Zeugung von Nachkommen.

Zitat: „Ich kenne bei uns einen Kollegen in führender Stellung, der hat sich in früheren Zeiten an eine junge Krankenhaus-Praktikantin herangemacht.“ und „Später war es eine sehr hübsche Studentin in unserem Unternehmen, die er umgarnt und eingefangen hat. Und auch mit ihr hat er drei prächtige Nachkommen gezeugt, auf die er stolz ist. Da soll niemand sagen, er hätte seine Stellung missbraucht.“

Ich bitte Sie daher, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten und mich über das Ergebnis des Ermittlungsverfahrens zu informieren.